Abitur – Ist dessen Wertigkeit abhängig vom Bundesland?

Historische Zäsur: Seit 2013 beginnen mehr junge Menschen in Deutschland ein Studium statt einer Berufsausbildung. Den Zugang dafür schafft oftmals das Abitur. Aber ist die „Allgemeine Hochschulreife“ bundesweit gleichwertig? Und beeinflussen etwaige Unterschiede die Chancen auf das Wunschstudium?

Rechtlich gesehen ist das Abitur natürlich bundesweit gleichwertig. Kritik mehrt sich aber vor allem an den unterschiedlichen Standards der Lehrpläne und -inhalte und der darauf basierenden Notenvergabe. Massive objektive Leistungsunterschiede waren bei vergleichenden Untersuchungen die Folge.

Einen grundsätzlichen Eindruck vermitteln die Statistiken der Schulabgänger:

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So zeigt sich, dass die Absolventenzahlen insbesondere durch Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen geprägt werden. Die Stadtstaaten und neuen Bundesländer tragen nur verhältnismäßig wenig zur Zahl der Abiturienten bei. Insgesamt steigen die Zahlen kontinuierlich  an und unterstreichen das Potenzial hoher Studienanfängerquoten.

Ein konträres Bild zeichnet allerdings die Entwicklung der Durchschnittsnote je Bundesland:

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Deutlich abgesetzt erreichen die Thüringer Abiturienten seit Jahren Spitzennoten. Gefolgt von Bayern, Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zeigen sich in dieser Betrachtung die Ostdeutschen Bundesländer als sehr erfolgreich. Die Schlusslichter bilden Rheinland-Pfalz und – seit Jahren – Niedersachsen.

Auch die Quote der Absolventen mit der Bestnote „1,0“ unterstreicht diesen Trend:

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Hier dominieren abermals die Ostdeutschen Bundesländer. Auffällig ist, dass sich Thüringen seit einigen Jahren stark abheben kann, während die Quoten in den übrigen Bundesländern schwanken. Insgesamt ist aber ein Anstieg zu beobachten.

Weiterhin ist natürlich die Zahl derjenigen relevant, die ein Studium aufnehmen:

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Im dargestellten Betrachtungszeitraum stagnieren die Zahlen auf hohem Niveau. Auf den ersten Blick fallen die drei Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg auf, die zusammen die höchsten Anteile an neuen Studenten aufnehmen. Gleichzeitig sind diese aber auch die Länder mit der höchsten Absolventendichte. Letztlich ähnelt diese Verteilung stark der Einleitenden, da sich die relativen Anteile von Absolventen und Studienanfängern nahezu gleich verteilen. Prägnante Unterschiede lassen sich an zwei Punkten feststellen: Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg sind überaus beliebt – sie erleben einen starken Zuzug. Demgegenüber verlieren die Ostdeutschen Standorte an Boden.

Auch Mobilitätsuntersuchungen bestätigen diese Tendenz. Während wenige Westdeutsche Absolventen an Ostdeutschen Hochschulen ein Studium beginnen, zieht es nachwievor viele Ostdeutsche an die Hochschulen im Westen oder den Stadtstaaten. Dort haben sie durch ihre, im Mittel, besseren Noten natürlich bei einer Studienplatzvergabe per Numerus Clausus bessere Chancen.

Der NC dient dabei als weiterer Indikator für Beliebtheit und Zuzug in die jeweiligen Bundesländer:

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Die Tabelle zeigt die Beliebtheit (entspricht einem hohen Anteil an zulassungsbeschränkten Studiengängen) einzelner Bundesländer. Der „Westen“ ist bei Wahl des Studienortes sehr begehrt.

Fügen sich die dargestellten Informationen zusammen, ergibt sich eine deutliche Tendenz: Ja, Ostdeutsche Absolventen haben im Durchschnitt bessere Noten, sind mobiler und haben dadurch größere Chancen bei der Studienplatzvergabe. Gleichzeitig darf man aber nicht unterschlagen, dass sie in Summe auch nur eine kleine Minderheit der jährlichen Abiturienten stellen. Der Löwenanteil kommt auch weiterhin aus den bevölkerungsreichen Bundesländern. Einhergehend mit deren weitaus geringerer Mobiliät, können somit die beklagten Probleme entstehen.

Diese aber nur auf bessere Noten zu reduzieren, wäre eine zu einfache Erklärung!

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