Täglich sterben durchschnittlich zehn Menschen auf Deutschlands Straßen. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele. Die folgenden Analysen werfen einen genaueren Blick auf die Entwicklung von Verkehrsunfällen in den letzten 20 Jahren sowie auf interessante Begleitumstände.
Neben dem Blick auf die Anzahl der bundesweiten Verkehrsunfälle lohnt sich auch die Betrachtung ihrer regionalen Verteilung. Abgesehen vom Rückgang der absoluten Unfallzahlen in den letzten 20 Jahren zeigen sich beispielsweise bei der exemplarischen Darstellung der Daten von 1995 und 2014 auf Kreisebene, dass scheinbar einige Regionen als Unfallschwerpunkte konstant höhere Unfallzahlen aufweisen.
Karte zu Verkehrsunfällen 1995
(Klicken Sie auf die einzelnen Kreise für Daten auf Kreisebene. Aufrund der Kreisgebietsreform sind für manche Kreise keine Daten verfügbar.)
Karte zu Verkehrsunfällen 2014
(Klicken Sie auf die einzelnen Kreise für Daten auf Kreisebene. Aufrund der Kreisgebietsreform sind für manche Kreise keine Daten verfügbar.)
Die Unfallschwerpunkte sind, wie bereits erwähnt, im Verlauf der Jahre gleich geblieben. Eine Konzentration der Unfälle ist für Bezirke und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, den südlich-sächsischen Raum und in Baden-Württemberg zu verzeichnen. Der nödliche Raum um Hamburg sowie der Nordosten weisen ein durchschnittliches Unfallaufkommen auf. Auffällig niedrig sind die Unfallzahlen in Hessen, Thüringen, dem süd-östlichen Niedersachsen sowie in Bayern. An dieser Stelle könnte weitere Forschung betrieben werden, um mögliche Einflussfaktoren sowie kausale Zusammenhänge zu ermitteln.
Entwicklungen von 1995 bis 2014
Im Folgenden sind die jährlichen Unfallzahlen von 1995 bis 2014 zusammen mit den Zahlen zum Kraftfahrzeugbestand sowie zu getöteten Menschen dargestellt. Die Daten zum Kraftfahrzeugbestand dienen dabei als Indikator für die Fahrzeugdichte, wobei die Annahme lautet, dass eine höhere Fahrzeugdichte zu steigenden Unfallzahlen führen müsste.
Aus den Daten geht jedoch hervor, dass bei steigendem Kraftfahrzeugbestand die Zahl der Unfälle rückläufig ist. Diese gegenläufige Entwicklung spricht gegen die oben erwähnte Annahme und kann auf eine Verhaltensänderung im Straßenverkehr grundsätzlich, aber auch auf in Autos verbaute, präventive Sicherheitssysteme zurückzuführen sein. Diese These bekräftigt auch die Entwicklung der Anzahl der Unfalltoten. Im Vergleich zu den gesamten Unfallzahlen nimmt diese deutlicher ab. Auch hier ist eine Korrelation mit in Autos verbauten Sicherheitssystemen anzunehmen.
Die letzte Analyse betrachtet die Verkehrsunfallzahlen unter dem Einfluss von Rauschmitteln im Zeitverlauf. Diese Daten dienen dabei als Indikator des Verantwortungsbewusstseins der Verkehrsteilnehmer. Ein Blick auf die Unfallzahlen unter dem Einfluss von Rauschmitteln zeigt, dass zumindest in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eine Verhaltensänderung bei den Verkehrsteilnehmern zu verzeichnen ist, die möglicherweise ebenfalls zur Abnahme der gesamten Unfallzahlen führte. Seit 2005 hat sich der Anteil der Unfälle unter dem Einfluss von Rauschmitteln an den gesamten Unfällen bei ca. vier Prozent eingependelt.
Die Analyse der Verkehrsunfallzahlen in Deutschland im Verlauf der letzten 20 Jahre zeigt zwar einerseits einen Rückgang der absoluten Zahlen, verdeutlicht aber andererseits auch, dass es bestimmte Regionen in Deutschland gibt, in denen die Unfallzahlen konstant höher sind. Die weitere Analyse offenbarte, dass nicht nur die Unfallzahlen, sondern auch die Todesfälle auf Deutschlands Straßen trotz einer gestiegenen Fahrzeugdichte rückläufig sind. Zu verdanekn ist diese Entwicklung höchstwahrscheinlich der immer besser werdenden Sicherheitsausstattung der Fahrzeuge. Die rückläufigen Zahlen der Unfälle unter dem Einfluss von Rauschmitteln zeigten zudem, dass auch eine Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer zum allgemeinen Trend beigetragen haben könnte.
© Thomas Haller & Tobias Burgholz